
… besser konnten die Voraussetzungen nicht sein … Die Aktiven des Stöffelvereins fanden sich in der ersten Vollmondnacht im neuen Jahr bei Schnee und wunderbarem Frost zur Zelebrierung der Raunächte im Stöffel-Park ein.
In der beheizten Nissenhalle wurde zum inneren Aufwärmen mit einer Tasse selbstgemachtem Glühwein/Punsch angestoßen und in das Programm eingeführt. Die Naturschutzbeauftragte Michaela Nilius begrüßte die Anwesenden und führte die Gruppe anschließend mit Laternen ausgerüstet zum Steg des Stöffelsees.
Geschichte und Brauchtum
In absoluter Stille wurde zur Geschichte und früherem Brauchtum von Raunächten berichtet, die weit in die vorchristliche Zeit zurückreichen und in den vergangenen Jahren auch in unserer Region eine Renaissance erlebten.
Eine bedrohliche Zeit …
Die Zeit zwischen den Jahren, vom 24. Dezember bis 6. Januar, wurde in der Zeit vor der Elektrifizierung mit Kälte und Winterstürmen als bedrohlich und gefährlich empfunden. Die Germanen berechneten ein Jahr mit zwölf Mondmonaten – also 354 Tagen. Verglichen mit dem Sonnenjahr fehlten am Jahresende elf Tage oder zwölf Nächte. Man ging davon aus, dass in dieser Zeit die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt seien, Geister und Dämonen von Verstorbenen über den Himmel ziehen würden und die Grenzen zu anderen Welten fielen.
… wie man sich schützte
Gegen diese unheilvollen Kräfte galt es sich zu schützen, indem man sich etwa hinter undurchdringlichem Weihrauch (daher sind die zwölf Abende eigentlich „Rauchnächte“) verbirgt. Die Abende wurden genutzt, um Haus und Hof zum Schutz vor diesen Dämonen auszuräuchern.
Mit der Einführung des Christentums hat sich noch nicht alles geändert, denn in der christlichen Kultur werden die Raunächte auch als zwölf heilige Nächte betrachtet. Heute noch verbreitet die Segnung der Häuser, wenn die Sternsinger „C+M+B“ über die Haustüre schreiben (Christus mansionem benedicat – Christus schütze dieses Haus) einen Schutz gegen Geister.
Papst Gregor XIII reformierte den Julianischen Kalender 1582 zum Gregorianischen Kalender mit 365 Tagen. Die Mystik und Bräuche der Raunächte blieben.
Der Theologe und Brauchtumsforscher Becker-Huberti erläutert, dass es nach dem damaligen Volksglauben verboten war, in dieser Zeit weiße Wäsche zu waschen (Wotan, auch bekannt als Odin, der höchste Gott der germanischen Mythologie, hätte sich in den Wäscheleinen verfangen können) oder schwer zu arbeiten. Da die Dämonen für Chaos sorgen, sollte man das eigene Haus schon vor der Wintersonnenwende gereinigt und aufgeräumt haben. Außerdem steht jede der zwölf Raunächte für einen Monat.
Nach dieser Einführung zog die Gruppe still weiter zum Kräutergarten, um einem Märchen zur Wintersonnenwende zu lauschen.
Zurück in der Nissenhalle gab es eine warme Mahlzeit zu angeregten Gesprächen.
… das Räucherwerk
Natürlich durften die Verräucherungen nicht fehlen. Zu den Erläuterungen einzelner Praktiken wurden Kräuter, Gewürze und Weihrauch verräuchert. Zu Maria Himmelfahrt geweihte Krautbuschen, deren einzelne Pflanzen vorab identifiziert wurden, kamen ebenfalls zum Einsatz.
… moderne Raunächte
Ein Brauch der moderneren Zeit besteht im Schreiben von 13 Wunschzetteln. An jedem Abend wird ein Zettel verbrannt, ohne ihn vorher nochmals gelesen zu haben. Um den dreizehnten und letzten Wunsch muss man sich demzufolge in dem kommenden Jahr selbst kümmern.
Dieses Ritual bildete mit einer weiteren Geschichte den Abschluss eines unvergesslichen Abends und der Vorfreude auf die Raunächte 2027.
(Fotos: Maria Wagner)
